15.07.2019

Im Interview: Henrike von ProjectTogether

Leonie Matt

Worum geht es heute?

Vor ein paar Wochen, in Vorbereitung auf unsere aktuelle Challenge, haben wir mit Henrike gesprochen – sie arbeitet bei ProjectTogether, Deutschlands führendem digitalen Inkubator, indem Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen entwickelt werden. Vor der Europawahl hat das Team hinter ProjectTogether zudem die Online Kampagne #europwahl19 ins Leben gerufen, die junge Menschen ermutigen sollte, ihre Stimme bei der Wahl zu nutzen. Wir sprechen mit Henrike über die erfolgreiche Kampagne, fragen nach Herausforderungen und den wichtigsten Learnings, die sie aus ihrer Online Kampagne gezogen haben. Ihre Antworten findet ihr hier. Viel Spaß beim lesen! (Fotos: Samuel Groesch)

 

xStarters: Was macht ihr überhaupt bei ProjectTogether und wie ist das entstanden?

Henrike: Ziel ist es, jungen Menschen mit großen Visionen und Ideen einen erfahrenen Coach zur Seite zu stellen, sodass aus anfänglichen Ideen durch die Unterstützung richtig coole Dinge entstehen können. Mit diesem Ziel sind wir vor sieben Jahren gestartet und haben mittlerweile über 600 Coaches und ExpertInnen, die wir zum Teil auch selbst ausgebildet haben. Außerdem haben wir über 750 Initiativen und Social Startups begleitet. Die Coaches sind übrigens alle ehrenamtlich aktiv und für die GründerInnen ist das Angebot kostenlos nutzbar.

xStarters: Was sind das für Projekte, die ihr bei euch betreut?

Henrike: Für fördern Vereine, Non-Profits oder Social Entrepreneurs, die ein ökologisches oder gesellschaftliches Problem lösen. Wir orientieren uns dabei an den 17 Nachhaltigkeitszielen, haben jedoch auch ein eigenes Impact-Messinstrument.

xStarters: Was ist dabei die Kernaufgabe von ProjectTogether?

Henrike: Unser Kern ist das Matching von GründerInnen und Coaches – nach diesem starten beide in ein sechsmonatiges Mentoring-Programm. Das funktioniert alles digital. Regelmäßig, meist im Abstand von zwei bis drei Wochen, finden Calls statt. Wir haben schnell gemerkt, dass das Coaching viel weiterhilft. Aber darüber hinaus gibt es viele weitere Dinge, die die GründerInnen benötigen und auch an dieser Stelle unterstützen wir: Wir haben einen ziemlich guten Überblick über möglicherweise ähnliche Projekte, die ggf. voneinander profitieren könnten.

Gruppe engagierter Leute

 

Foto Credits Samuel Groesch

xStarters: Mit der Kampagne #europawahl19 habt ihr viele InfluencerInnen und Content ProducerInnen zusammengetrommelt und damit sicherlich einen Anteil an der gestiegenen Wahlbeteiligung in diesem Jahr. Wie kamt ihr auf das Thema Europawahl und Online Kampagne?

Henrike: Wir haben Anfang diesen Jahres gemeinsam überlegt: Was sind die großen gesellschaftlichen Herausforderungen, die wir in diesem Jahr angehen wollen? Ziemlich schnell sind uns Themen wie Rechtsruck und extremere Parteien in den Sinn gekommen. Wir alle im Team sind überzeugte EuropäerInnen und deshalb war die Unterstützung der Europawahl für uns irgendwie eine Herzensangelegenheit. Wir dachten: Mit unserem Netzwerk, das wir dank ProjectTogether haben, können wir eigentlich beim Thema Europawahl nicht nichts machen!

Unsere Stärke liegt im Netzwerk. Also haben wir versucht, die richtigen Leute zusammenzubringen: Menschen mit einer großen Reichweite in sozialen Medien, jene, die die junge Generation ansprechen, ExpertInnen im Bereich Strategie und Kampagnen sowie Initiativen, die schon eine bestehende Kampagne haben. Das ist zum Beispiel die Initiative Kleiner Fünf mit der Kampagne #proposals4europe. Noch immer kann man auf der landing page sehen, dass sich echt viele beteiligt haben! (Anmerkung der Initiative: Zwar wurde die Kampagne nicht allein an diesem Tag gemacht, sondern lange vorbereitet - durch ProjectTogether wurde sie aber auf jeden Fall sehr gepusht). Eine zweite Kampagne ist #WahlSwiper. Und last but not least diejenigen, die es umsetzen können: FotografInnen, VideografInnen und DesignerInnen.

 

Gruppe engagierter Leute

 

Foto Credits Samuel Groesch

 

xStarters: War es schwer, die Leute davon zu überzeugen, dass sie quasi kostenlos mitmachen?

Henrike: Was wir am Anfang brauchten, war eine kritische Masse. Als wir die hatten, wussten wir, dass wir die Kampagne auf jeden Fall machen können. Als wir dann ein paar größere Namen dabei hatten, wollten sogar so viele Leute dabei sein, dass wir einigen sogar absagen mussten.

xStarters: Wie habt ihr zusammengearbeitet?

Henrike: Fünf Wochen lang haben wir InfluencerInnen angeschrieben und sie zu einem Bootcamp eingeladen. An diesem Tag sind dann alle Leute physisch in Berlin zusammengekommen, es gab einen kleinen Impulsvortrag, gefolgt von verschiedenen Brainstorming Sessions. Am Nachmittag wurde dann der Content produziert, es sind Videos, GIFs und Instagram-Filter entstanden. Manche InfluencerInnen haben auch danach noch Content gedreht. Aber grundsätzlich war das Ziel: Wir gehen heute weg mit jeder Menge Material, um in den nächsten vier Wochen, bis zur Europawahl, die Kanäle zu bespielen. Kurz: Wir haben verschiedene Leute motiviert und überzeugt, sie zusammengebracht, ihnen viele Fakten und Infos zur Europawahl an die Hand gegeben und daraus ist dann jede Menge sinnvoller Content entstanden.

Infobox

Zwei Kampagnen kurz erklärt

 

#PROPOSALS4EUROPE
Die Online Kampagne, die in Deutschland unter #wahlantrag bekannt geworden ist, wurde von der Initiative Kleiner Fünf initiiert, die so viele Menschen wie möglich dafür motivieren und dabei unterstützen möchten, sich aktiv gegen Rechtspopulismus einzusetzen: mit guten Argumenten und radikal höflich. Sie haben unter anderem den #wahlantrag entwickelt, mit dem man Mitmenschen im Rahmen der Europwahl auf witzige Art und Weise auffordern konnte, zur Wahl zu gehen.

#WahlSwiper
„Mit dem #WahlSwiper findest du die Partei, die deine Interessen am Besten vertritt - für iOS, Android, Apple TV und als Web-App“ – so wirbt die Initiative zur Europwahl auf ihrem Instagram Kanal. Doch wer steckt eigentlich hinter WahlSwiper? Ein Team aus JournalistInnen, ProgrammiererInnen, GrafikerInnen und VideoproduzentInnen entwickelte das Programm. Die Idee stammt von der Digital-Agentur MOVACT. Die Entwicklung der Fragen übernimmt ein Team aus PolitikwissenschaftlerInnen der Universität Freiburg und - je nach Wahl - auch von den Universitäten Bremen, Frankfurt am Main, Salzburg, Marseille und der University of East Anglia.

 

xStarters: Gab es für euch ein Ziel oder KPI, dass den Erfolg messen sollte?

Henrike: Unser Motto war: Ein Tag, ein Ziel, eine Million! Also das Ziel war es, eine Million Erst- und JungwählerInnen zu akquirieren.

xStarters: Was war bei eurer Kampagne der Erfolgsfaktor?

Henrike: Ich glaube, dass wir die richtigen Leute zusammengebracht haben und an dem Tag alle sehr motiviert waren, daher eine krasse Energie entstanden ist, sodass wir viel Content produzieren konnten.

xStarters: Was war bei der Kampagne die größte Herausforderung?

Henrike: Am Anfang die InfluencerInnen zu überzeugen, dabei zu sein und zum Bootcamp zu kommen. Die sind ja super busy und wenn sie schon einmal was umsonst machen, dann müssen sie da echt Bock drauf haben!

xStarters: Was war euer größtes Learning und was würdet ihr beim nächsten Mal anders machen?

Henrike: So eine Online Kampagne zieht deutlich mehr Kapazität, als man denkt. Und auch das Bootcamp zu veranstalten und der Kontakt mit allen Beteiligten nimmt echt viel Zeit in Anspruch. Daher würde ich beim nächsten Mal ein größeres Team aufstellen.

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