02.12.2019

Die rettenden Ritter aus Kiel

Nina Dias
Wisst ihr was das Tolle an Kiel ist? Man steigt aus dem Zug und sieht schon die Kräne, die Boote und Brücken. Anders als in Hamburg oder Bremen wird man hier direkt am Bahnhof von der hanseatischen Romantik begrüßt. Ich bin gerne in Kiel. Und nochmal lieber, wenn ich Menschen wie die ResteRitter treffen darf. Ein Start-up, das aus einem studentischen Projekt gewachsen ist und sich der Lebensmittelrettung verschrieben hat.
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Wusstet ihr schon?

In Deutschland werden jährlich etwa 55 Kilogramm an Lebensmitteln weggeworfen – pro Person! Die ResteRitter nehmen Lebensmittel, die sonst keiner will und kochen sie zu leckeren Chutneys und Marmeladen ein. Mit den Einnahmen aus deren Verkäufen unterstützen sie zudem soziale Einrichtung in der Umgebung.

Nicht ohne Partner

Die beschäftigten Ritter sind neben unserem Interviewpartner Moritz noch Oke und Nick. Sie studieren alle drei Geografie und auch die Idee zu den ResteRittern kam ihnen während eines Projektsemesters an ihrer Universität. In ihrem Modul ging es darum, Probleme sozial, ökologisch und unternehmerisch zu lösen.

xStarter: Du hast deine Mit-Ritter in diesem Kurs kennengelernt. Wie ist es zu eurem Projekt gekommen?
Moritz: Nick und ich haben uns schon vor dem Kurs gut verstanden. Wir wussten also, dass wir eine Ebene haben, auf der man gut arbeiten kann. In dem Kurs ging es dann um die Frage: „Was sind Probleme, die euch beschäftigen?” Dann kamen wir auf Lebensmittelverschwendung. Und auf Oke, der auch sehr affin für das Thema war. Der erste Teil war, die Idee zu entwickeln und eine Projektskizze anzufertigen – das war auch die Prüfungsleistung im Kurs. Zeitgleich gab es hier einen Wettbewerb für studentische Projekte, bei dem man 2000 Euro Startförderung gewinnen konnte. Da wir für den Kurs sowieso alles ausarbeiten mussten, haben wir unsere Idee dort gleich miteingereicht. Damit haben wir also unser erstes Start-Kapital bekommen und konnten damit unser Studienprojekt umsetzen.
2017 haben wir dann richtig angefangen. Wir waren auf verschiedenen Events und dann kamen schon die ersten Presseanfragen. Nach 2 Monaten haben wir gemerkt, dass das Projekt mehr sein kann, als nur eine Semesterarbeit und dass andere Menschen ebenfalls von der Idee überzeugt sind.

xStarters: Ihr kamt also ganz natürlich ins Rollen.
Moritz: Genau. Wir hatten zu Beginn natürlich nicht geplant, dass wir drei Jahre später davon leben können. Wir hatten unsere Idee und unser Studienprojekt. Im Januar waren wir beim NDR zu Gast. Danach dachten wir: „Wir können jetzt nicht einfach so aufhören. Wir machen weiter und schauen, wie weit es geht.“

Moritz von den ResteRittern
Moritz von den ResteRittern

Die ResteRitter schmeißen die besten Partys

Nämlich „Schnibbelpartys“! Bei diesen Events schnippeln und kochen sie gemeinsam mit Gruppen gerettete Lebensmittel ein, packen damit das Thema Lebensmittelverschwendung ganz praktisch auf den Tisch – und zeigen direkt die Lösung: so kann jeder Obst und Gemüse verwerten. Ihre Partys sind inzwischen so beliebt, dass sie von Firmen und sogar für eine Hochzeit angefragt wurden.
ResteRitter verwerten Kürbis

One for the team

Natürlich muss man lernen, wie man Lebensmittel einkocht, Rezepte entwickelt und die gesamte Organisation abwickelt. Aber allem voran muss man lernen, wie man zu einem Team zusammenwächst. Auch hier haben die ResteRitter einiges gelernt in den vergangenen Jahren.

xStarters: Um erfolgreich zusammen zu arbeiten, muss man auch lernen, die Schwächen des anderen zu akzeptieren. Würdest du das so unterschreiben?
Moritz: Oder anders herum: Man erkennt die Stärken des anderen – und eben die eigenen Schwächen. Es ist einfacher, wenn man gleich zugibt: Das kann ich nicht. Das ist nicht mein Ding. Wer kann das besser?
Natürlich gibt es auch Sachen, auf die keiner Bock hat. Bei uns reißt sich niemand um das Thema Buchhaltung. Im Zweifel mach das dann ich. Das sind Dinge, die man im Studium nicht mitbekommt, ich kann mir da also noch ein Learning herausziehen. Aber mit allem geht das nicht, man muss auch bewusst Aufgaben abgeben.
Mit den ResteRittern haben wir so viel gelernt – auch über uns.

xStarters: Was habt ihr in der Zeit als Team gelernt?
Moritz: Am Anfang haben wir es verpasst, uns mal einfach zusammenzusetzen und zu bereden: „Was für Bereiche und welche Aufgabenteilung gibt es?” Stattdessen hat es sich in ein Modell „jeder macht alles“ entwickelt. Das war jetzt nicht super falsch, weil sich dadurch auch herausgestellt hat, wer was gerne macht. Als wir zum Beispiel die ersten Interviews hatten, haben wir alle gemerkt: Ich mache das ganz gerne, Nick dagegen nicht. Das muss man dann erkennen. Wir haben damals auch gar nicht absehen können, was für Arbeit auf uns zu kommt. Manchmal war die Arbeit auch ziemlich ad hoc, also auf einmal musste irgendwas sehr schnell gehen. Da mussten wir spontan entscheiden: Wer hat da überhaupt Zeit? Wer muss morgen nicht in die Uni?
Jetzt nach Jahren kommen wir an den Punkt, wo wir wirklich im Team entscheiden und Aufgaben aufteilen – und als Team daran arbeiten.

Mehr zu den ResteRittern findet ihr hier

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