16.12.2019

Kipepeo Clothing machen faire Fashion mit ganz besonderen Designs

Nina Dias

Abigail – sie ist der Grund, warum es seit über zehn Jahren das Label Kipepeo Clothing gibt. Denn damals war Martin als Aushilfslehrer an einer Schule in Tansania angestellt. An seinem letzten Tag dort legt das damals 7-jährige Mädchen eine Zeichnung in sein Tagebuch: das Bild eines Männchens und daneben die Worte Love you.

Als persönliche Erinnerung druckte sich Martin dieses Motiv auf ein Shirt. Auch nach seiner Zeit blieb er mit Abigail und ihrer Familie in Kontakt und musste einige Monate später erfahren, dass Abigail bald nicht mehr zur Schule gehen konnte. Ihre Eltern arbeiten als Kaffeefarmer und in diesem Jahr war die Ernte schlecht ausgefallen. Martin wollte helfen und gründet dabei sein eigenes Social Business.

Kipepeo: Martin und Abigail

xStarters: Erzähl mal Martin, wie ging die Geschichte mit Abigail weiter?
Martin: Ich habe das T-Shirt vervielfältigt und im Freundes- und Bekanntenkreis verkauft. Für Abigail, denn durch die Verkaufserlöse konnte ich die Schulgebühren für das komplette Schuljahr bezahlen. Es folgten weitere Zeichnungen, die wir auf Shirts druckten und ich begann, regelmäßig nach Tansania zu reisen und mich intensiv mit der Herstellung von Bio-Textilien auf lokaler Ebene zu beschäftigen. Heute studiert Abigail übrigens an der Küste Tansanias, wir waren vor einem Monat wieder zusammen in der Stadt Arusha Kaffee trinken.

 

xStarters: Kipepeo gibt es jetzt schon seit über 10 Jahren. Was sind die drei wichtigsten Dinge, die du in der Zeit gelernt hast?
Martin:
1. Offline-Aktivitäten sind meiner Meinung nach oft wichtiger als Online Kampagnen.
Was für ein Projekt oder Unternehmen am wichtigsten ist, sind langjährige Kunden und Wegbegleiter, deren Überzeugung von Marke und Produkt das Fundament für langjährigen Erfolg darstellen. Es geht vor allem darum, die richtigen Menschen zu erreichen und das tut man durch relevante Inhalte, fundierte Informationen und durch persönliche Gespräche auf Augenhöhe.
2. Es ist wichtig, das Produkt, das man herstellt, wirklich gut zu kennen und einzelne Arbeits- und Produktionsschritte zu verstehen. Das schafft Verständnis und Wertschätzung für die Arbeit der involvierten Menschen und Unternehmen.
3. Immer nett, hilfsbereit und ehrlich sein. Klingt banal, aber das ist meiner Meinung nach das A und O jeder Beziehung. Egal ob geschäftlich oder privat.

Wie genau funktioniert der Kreislauf von Kipepeo?

Kreislauf von Kipepeo

Martin erklärt:
Der Kipepeo-Cycle ist ein ganzheitlicher Kreislauf, der auf den grundlegenden Prinzipien von Fairness, Nachhaltigkeit und Transparenz basiert.

An Grundschulen in Tansania und Kenia entstehen während des regulären Schulalltags Zeichnungen, die die Schulkinder beispielsweise während des Naturkundeunterrichts anfertigen, wenn die Tiere der Serengeti besprochen werden.

300 Kilometer von unseren drei Schulprojekten entfernt, wird im kleinbäuerlichen Regenfeldbau, ohne künstliche Düngemittel und Pestizide, die Baumwolle (Bio) angebaut, aus der später die Shirts gefertigt werden, die wir dann mit den jeweiligen Kinderzeichnungen bedrucken.

Die Baumwolle wird anschließend auf lokaler Ebene von inhabergeführten Familienunternehmen, bei fairen Löhnen und sicheren Arbeitsbedingungen, zu Garnen und Stoffen weiterverarbeitet – die später zu Erwachsenen-, Kinder- und Babybekleidung werden.

Nun werden ebenfalls direkt vor Ort per ökologischem Siebdruck die Kinderzeichnungen auf die Kleidungsstücke gebracht.

Der Verkauf erfolgt online ohne Zwischenhändler. Somit wird von jedem verkauften Shirt ein Spendenbetrag für das Schulprojekt abgeführt, wo die Zeichnungen entstanden sind.

Kipepeo auf Baumwoll-Farm in Afrika

2,6 Kilo Klamottenmüll pro Sekunde.

Nachhaltige Produktion ist der eine Teil von fair fashion. Nachhaltiges Einkaufen das to-do auf Käuferseite. Denn jede Sekunde werden weltweit 2,6 Kilogramm an Kleidung entsorgt. Erschreckend. Noch erschreckender: ein Großteil davon ist ungetragen und neu. Doch diese Kleidung verschwindet nicht einfach. Ganz im Gegenteil: sie ist eine zusätzliche Belastung für die Erde. So sieht das auch Martin.

xStarters: Hat sich dein eigenes Einkaufsverhalten geändert, seit du Kipepeo machst?
Martin:
Um ehrlich zu sein, nicht besonders. Letztes Jahr habe ich eine alte Freundin getroffen, die ich seit Jahren nicht gesehen hatte und sie meinte: „Du siehst genauso aus wie vor 5 Jahren“. Da habe ich mich mit meinen 37 Jahren natürlich erstmal geschmeichelt gefühlt. Bis sie ergänzte: „Du hast genau die gleichen Klamotten an wie damals“. Diese Aussage beschreibt mein eigenes Konsumverhalten recht gut, zumindest was Kleidung anbelangt. Kleidung kaufe ich sehr selten und wenn ich Kleidung kaufe dann quasi ausschließlich von befreundeten Unternehmen oder Secondhand.

Tipp

Informiert euch vor dem Kauf über die Herstellungsbedingungen des Produkts. Am nachhaltigsten ist natürlich immer der Artikel, den man schon besitzt.

Danke Martin für das Interview und den spannenden Blick hinter die Kulissen. Wir denken: Gerade wenn dieser Kreislauf und die Auswirkungen verständlich und nachvollziehbar werden, kann jeder verstehen, warum nachhaltiger Konsum wichtig ist. Und wie jeder seinen Teil dazu beitragen kann.
Wer mehr über Martin und sein Label erfahren will, der findet weitere Infos auf der Website.

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