07.02.2019

Social Business Unternehmerin und Model im Interview

Leonie Matt

Interview zu nuruCoffee

xStarters: Du bist als erfolgreiches Model gestartet und arbeitest derzeit noch immer in dem Beruf. Was war der Grund, weshalb du zudem noch ein eigenes soziales Unternehmen, nuruCoffee, gegründet hast?

Sara: Momentan ist es so, dass ich über das Jahr verteilt immer mal wieder Shootings für feste Kunden habe. Ich bin aber schon sehr bedacht, welche Jobs ich annehme, weil sich meine Prioritäten seit der Gründung von nuruCoffee verschoben haben. Das Social Business liegt mir sehr am Herzen, nimmt jedoch auch viel Zeit in Anspruch.

Sara Nuru
Sara Nuru - Social Business Unternehmerin und Model

Fair und organisch

xStarters: Mit nuruCoffee vertreibt ihr nicht nur fair gehandelten, organisch angebauten Kaffee aus Äthiopien – ihr unterstützt auch Frauen vor Ort mit Mikrokrediten. Kannst du das etwas genauer erklären?

Sara: Ich hatte nach ein paar Jahren des Modelns das Gefühl, dass ich schon viel erlebt habe und es an der Zeit war, einen Schritt weiterzugehen. Schon während meiner Modelkarriere habe ich mich für die Hilfsorganisation „Menschen für Menschen“ engagiert und war immer wieder in Äthiopien, dem Herkunftsland meiner Eltern. Hier konnte ich mir direkt vor Ort ein Bild machen.

nuruCoffee habe ich schließlich gemeinsam mit meiner Schwester Sali gegründet: Wir wollten einerseits das Land Äthiopien aus einer neuen Perspektive zeigen. Weg von den klassischen Bildern, die arme Kinder mit Blähbauch und Fliegen in den Augen zeigen, hin zu der Schönheit, der Entwicklung und dem Potenzial des Landes. Wir haben sehr lange überlegt und viel recherchiert.

Schließlich sind wir auf das Prinzip des Social Business gestoßen: durch wirtschaftliches Handeln soziale Probleme lösen. Oft wurden wir gefragt: Warum Kaffee? Äthiopien ist das Ursprungsland des KaffeesEs gibt dort eine sehr etablierte Kaffeekultur – in Äthiopien ist der Kaffeekonsum fast größer, als das, was davon exportiert wird.

Es kann passieren, dass du in einem Haushalt ohne fließend Wasser bist, aber ein guter Kaffee wird dir dort problemlos serviert. Das fanden wir so spannend, dass wir beschlossen, Äthiopiens Kaffee bekannt zu machen und zu fördern.

Bei den Recherchen ist uns aufgefallen, dass es meistens die Frauen sind, die in der Kaffeeproduktion die Arbeit leisten. Das hat uns dazu bewogen, unseren Fokus mehr auf ihre Unterstützung zu richten. Außerdem ist es häufig so, dass nur die Menschen vom Kaffee profitieren, die in den Anbauregionen leben. Im Norden zum Beispiel, wo kein Anbau stattfindet, sind die Frauen komplett abhängig von Männern.

Weil meine Schwester und ich uns mit nuruCoffee den Traum eines sozialen Unternehmens verwirklicht haben, wollten wir den Kreis schließen: Wir bekommen in Deutschland dank der Frauen in Äthiopien leckeren Kaffee, gleichzeitig bezahlen wir dafür faire Preise. Darüber hinaus unterstützen wir mit nuruCoffee Frauen und helfen ihnen in ihre Selbständigkeit, indem wir mit dem Verkauf unseres Kaffees Mikrokredite für die Frauen finanzieren.

 

Heimat des Kaffees

Kaffa, bis 1998 Provinz im Südwesten von Äthiopien, ist ein Gebiet, hauptsächlich bestehend aus Bergland, das als Heimat des Kaffees bekannt ist.

Fairtrade Kaffee und Mikrokredite

xStarters: Wie funktioniert das System der Mikrokredite genau?

Sara: Wir arbeiten hierfür mit der Hilfsorganisationen Menschen für Menschen zusammen, die vor Ort tätig ist. Ein Kredit liegt zwischen 190 und 250 Euro – je nach Businessmodell. Zuerst bewerben sich die Frauen. Sie gründen hierfür eine „Association“. Das ist eine Gruppe von Frauen bestehend aus einer Schriftführerin, einer Buchhälterin und einer Frau, die das Geld einsammelt.

Die Frauen legen monatlich Geld zurück, um ein Gefühl für das Sparen zu bekommen, denn sie müssen das Geld nach 24 Monaten wieder zurückbezahlen. Nachdem die Frauen etwas Geld gespart haben, erhalten sie eine einwöchige Schulung und lernen, wie ihr Business funktioniert.

Die Modelle sind ganz unterschiedlich: Eine Frau betreibt animal-fattening, das heißt, sie kauft eine Ziege, mestet diese und verkauft sie zu einem höheren Preis. Eine andere kauft Getreide in größeren Mengen und verkauft das Getreide wiederrum weiter. Und wieder eine andere betreibt einen Getränkevertrieb und verkauft Getränke an Bars und Restaurants. Das zurückgezahlte Geld geht nicht an nuruCoffee, sondern an die Association. Damit kann dann die nächste Frau mit einem Kredit unterstützt werden.

Das Schöne ist, dass die Frauen nun eigenständig ein Einkommen erwirtschaften und sich damit auch ihr Selbstwertgefühl verändert: Das kennt man von sich selbst: Es ist ein gutes Gefühl und macht viel aus, aus eigener Kraft etwas zu entwickeln, statt Spenden entgegen zu nehmen.

Ich fliege mindestens zwei Mal im Jahr nach Äthiopien, einmal im März, um die Frauenprojekte zu verfolgen und im Herbst bzw. Winter zur Kaffeeernte. Das erste Mal waren wir vor 3 Jahren dort, um das Prinzip zu verstehen. Wir konnten bereits 25 Frauen mit einem Kredit unterstützen.

 

Sara Nuru in Äthiopien


xStarters: Wie ist es, mit der eigenen Schwester zusammenzuarbeiten? Was macht aus deiner Sicht ein gutes Team aus?

Sara: Zu Beginn haben ziemlich viele Leute gewettet, dass unsere Zusammenarbeit kein Jahr hält (lacht). Ich glaube, es funktioniert tatsächlich so gut mit uns, weil wir ganz verschieden sind und unterschiedliche Stärken haben. Ich bin eher kreativ, habe viele Ideen und bin impulsiv, Sali ist sehr strukturiert, rational und denkt lieber dreimal nach, während ich eher sofort entscheide. Für mich ist es ein schönes Gefühl, mit der Familie zusammen zu arbeiten und einander vertrauen zu können.

xStarters: Was macht ihr, wenn euch Fehler passieren oder die Dinge nicht so laufen, wie geplant?

Sara: Wenn mir Fehler passieren, dann mache ich mir das bewusst, nehme sie an und versuche dann allerdings, nicht darauf hängen zu bleiben. Es bringt nichts, sich den ganzen Tag mit seinen Schwächen zu beschäftigen. Viel besser ist es, sich auf das zu konzentrieren, was man kann: Man sollte sich eingestehen, worin man gut ist und worin man vor allen Dingen nicht gut ist und das dann abgeben. Es ist normal, nicht in allen Dingen gut zu sein.

xStarters: Was würdest du dir in Bezug auf Social Business wünschen?

Sara: Ich wünsche mir, dass Social Business selbstverständlicher wird. Es wäre cool, wenn Unternehmen wirtschaftlich handeln und gleichzeitig versuchen, soziale Probleme zu lösen - das eine muss das andere nicht ausschließen. Ich wünsche mir außerdem, dass es noch mehr Plattformen wie xStarters gibt, auf denen man sich zum Thema Social Business austauschen und informieren kann.

Sara Nuru

Über den Umgang mit Fehlern

"Es bringt nichts, sich den ganzen Tag mit seinen Schwächen zu beschäftigen. Viel besser ist es, sich auf das zu konzentrieren, was man kann: Man sollte sich eingestehen, worin man gut ist und worin man vor allen Dingen nicht gut ist und das dann abgeben. Es ist normal, nicht in allen Dingen gut zu sein."

Sara Nuru & xStarters

xStarters: Du bist Jurymitglied bei xStarters: Was gibst du den Teams für ihren finalen Pitch mit auf den Weg?

Sara: Ganz egal, ob ihr zu den Gewinnerteams zählt oder nicht: Ihr habt im Prinzip schon gewonnen! Indem ihr die Challenge und die Vorbereitung auf die AwardParty absolviert habt, habt ihr schon sehr viel Neues gelernt und das ist so viel wert!

Genießt den Abend und versucht, möglichst viele neue Leute kennenzulernen und euch auszutauschen.

xStarters: Worauf freust du dich nächste Woche bei der AwardParty am meisten?

Sara: Ich freue mich sehr über die Teilnahme und über das xStarters Programm. Auch wir standen mit unserem Social Business am Anfang vor vielen Fragen und Herausforderungen.

Wir hatten viele Menschen um uns, die uns mit Tipps geholfen haben. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass es Plattformen gibt, wo man sich mit seiner sozialen Idee bewerben kann.

Sara Nuru mit Frauen in Afrika

xStarters: Was können Erwachsene von jungen Menschen lernen?

Sara: Junge Menschen haben häufig noch viel mehr Leichtigkeit, als Erwachsene. Das ist eine Eigenschaft, die einem auch in der Geschäftswelt weiterhelfen kann, denn man wagt so Dinge, die man sonst nicht machen würde. Das ist etwas, das ich versuche, für mich beizubehalten.

xStarters: Was rätst du jungen Menschen, die ebenfalls Ambitionen haben, ein soziales Problem anzugehen, vielleicht sogar ein Social Business zu gründen?

Sara: Ich würde viel lesen und mich darüber informieren, wie es andere gemacht haben und was andere motiviert hat. Ich finde, man braucht etwas, das einen bewegt und wo man sich leidenschaftlich für interessiert: In meinem Fall sind es Frauen in Äthiopien, das kann aber auch etwas ganz anderes sein, wie zum Beispiel Umweltschutz.

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