24.09.2019

Ein Baum fürs Reisen – B’n’Tree macht Urlaub nachhaltiger

Moana Keiper

„B’n’Tree ist die Reiseplattform, die Bäume pflanzt. Der Name ist angelehnt an B’n’B, also bed and breakfast. Bei uns heißt es B’n’Tree, denn anstelle von Frühstück servieren wir zu jedem gebuchten Bett noch einen Baum dazu.“
Chris ist Gründer und hat eine klare Vision: Nachhaltigkeit so einfach wie möglich zu machen. Mit wenig Aufwand viel Gutes tun. Und damit jedem die Ausrede zu nehmen, warum man Gewohnheiten nicht ablegen oder ändern kann.

Darf’s zum Bett noch ein Baum sein?

Das Thema nachhaltiges Reisen ist in aller Munde. Talkshowgäste, die Zeitungen – jeder hat eine klare Meinung dazu. Nur bei der Umsetzung hapert es. Aufs Fliegen verzichten? Ja, aber dann braucht man ja Urlaub vom Urlaub! Im Winter besser mal nicht ans andere Ende der Welt fliegen? Ja, aber ich muss meine Batterien doch aufladen! Kreuzfahrtschiffe sind besonders schlecht für die Umwelt? Ja, aber es gibt Unternehmen, die achten sehr auf Umweltschutz.
Wir merken schnell: viele von uns haben einen Hang zum „Ja, aber“. Umwelt schützen – auf jeden Fall wichtig. Aber die eigenen Wünsche sollen auch nicht vernachlässigt werden. Wenn es doch nur einen einfachen Weg gäbe, Reisen und Nachhaltigkeit unter einen Hut zu bekommen! Chris von B’n’Tree weiß: Auch kleine Verbesserungen können schon große Wellen schlagen.
Er gründete die Reiseplattform mit dem besonderen Clou: bei einer Buchung werden zum Zimmer kein Tee und Croissant serviert, sondern ein Baum gepflanzt. Dafür hat er sich mit verschiedenen Reiseportalen zusammengetan. Den Gast kostet das übrigens nichts extra.

Bäume pflanzen mit BnTree
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xStarters: Durch die Brände im Amazonas ist das Thema Aufforstung gerade sehr aktuell und auch viel in den Medien. Aber wie bist du damals darauf aufmerksam geworden? Was hat dich motiviert, selbst aktiv zu werden?

Chris: Ich habe ab 2012 in Thailand gelebt und dort viel mit asiatischen Elefanten gearbeitet. Mir ist aufgefallen, dass das größte Problem für die asiatischen Dickhäuter der Verlust ihres Lebensraums ist. Durch Abholzung für Infrastruktur und Landwirtschaft haben die armen Tiere keinen Ort, wo sie noch wohnen können. Da dachte ich: „Kann doch nicht so schwierig sein, irgendwo ein paar Bäume zu pflanzen?“ Das ist an sich auch nicht schwierig, man muss nur irgendwie Geld dafür haben. Und dadurch, dass ich seit über zwölf Jahren im Tourismus arbeite, dachte ich mir, vielleicht kann man das Geld aus der Touristik generieren.

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xStarters: Für viele Leute ist Geld verdienen und Gutes tun irgendwie noch ein großer Gegensatz. Auch das Thema Wirtschaft und Soziales zusammenzubringen, da glauben noch nicht so viele Menschen daran. Wie gut lassen sich denn deiner Meinung diese sozialen Themen mit dem Unternehmertum verbinden?

Chris: Meiner Meinung nach extrem gut! Ich bin überzeugt: Wenn man Gutes tut, dann sollte man dafür auch bezahlt werden. Es gibt Menschen, die machen Jobs, die sind vielleicht nicht besonders förderlich für das Allgemeinwohl, teilweise sogar negativ. Leider sind es oft ausgerechnet diese Menschen, die am meisten Geld verdienen. Ich finde es sollte umgekehrt sein: dass Menschen, die den Planeten retten, Tiere schützen, sich um Waisenkinder kümmern oder dergleichen, am besten entlohnt werden sollten. Und ich glaube, dass es möglich ist. Mit unserer Marke Click A Tree machen wir Nachhaltigkeit für Unternehmen bereits einfach und profitabel. B’n’Tree ist ein Ableger von Click A Tree, mit dem wir uns auf die Tourismusbranche spezialisiert haben. Aber mitmachen kann jeder!

Chris weiß, was es zum Gründen braucht:

  • Zuallererst: Durchhaltevermögen und eine dicke Haut. Es wird ganz viele Niederschläge geben, es wird Leute geben, die dir sagen: “Was für ein Quatsch, das braucht kein Mensch.”. Da muss man lernen, sich an den kleinen Erfolgen zu freuen und weiterzumachen.

  • Versucht den Perfektionismus abzulegen. Einfach mal machen! (Wenn man sich jetzt die erste Version unserer Website anguckt, schlägt man auch nur die Hände über dem Kopf zusammen. Aber es hat damals funktioniert und wir konnten einfach starten.)

  • Erzählt allen davon, was ihr tut. Seid nicht schüchtern, weil ihr glaubt, das interessiert die Leute eh nicht. Erzählt es eurer Familie, euren Freunden, Bekannten, Leuten die ihr im Club kennenlernt, egal wem.

xStarters: Das heißt, ihr möchtet auch erreichen, dass die Menschen umdenken und neue Wege gehen. Es gab bestimmt auch Sachen, die Du selbst gelernt hast in deiner Zeit bei B’n’Tree, oder?


Chris (lacht): Oh, ja, man lernt extrem viel. Wir haben viele neue Menschen kennengelernt – und von jedem Menschen, dem man begegnet, lernt man etwas. Ich habe viel über Geschäftsgründung gelernt und die ganze Bürokratie, die damit verbunden ist. Und leider auch, dass Marketing nicht so einfach ist, wie man denkt. Gerade unter uns Bäume-Pflanzern oder nachhaltigen Unternehmen könnte man meinen, wir arbeiten alle wunderbar zusammen. Aber oft kocht da jeder sein eigenes Süppchen. Ich glaube, wenn sich alle zusammentun würden, Know-how teilen und auch die eigene Reichweite und Kontakte, dann würden wir sehr viel schneller sehr viel weiterkommen.

Chris Kaiser von BnTree
Chris Kaiser

Gründer von B'n'Tree

Wenn man es schafft, zu zeigen: „Es ist nicht aufwändig, du musst nur einmal hier klicken“, dann glaube ich schon, dass damit ein paar Milliarden Bäume gepflanzt werden können. Das ist das, was wir bräuchten, um den Klimawandel noch rechtzeitig aufzuhalten.

xStarters: Dabei braucht ihr ja ganz besonders Unterstützung durch andere – denn alles, was ihr macht, basiert darauf, dass die Leute wissen, dass es euch gibt. Du hast eben die Community von Bäumepflanzern erwähnt, gibt es denn noch andere Communities, in denen ihr aktiv seid?


Chris: Das ist hauptsächlich die Travel-Community. Wir haben jetzt angefangen, überwiegend Tourismusbäume zu pflanzen und kriegen da auch sehr tolle Unterstützung von einigen unserer Partner – die haben ihr komplettes Netz kontaktiert. Also gerade durch die sozialen Medien ist es effizient geworden. Und dann helfen uns natürlich auch Menschen wie ihr, die sagen: “Hey, cooles Projekt, da schreibe ich einen Artikel drüber, und das verbreite ich in unserem Netzwerk”. Das erreicht dann wieder eine ganz andere Gruppe von Menschen. Inzwischen pflanzen wir Bäume für Restaurants, für IT-Berater, teilweise für Einzelunternehmer, also irgendwie funktioniert alles. Manche Unternehmen pflanzen fünf Bäume im Monat, andere 50.000 – es ist ganz unterschiedlich.

Frau pflanzt Baum für BnTree

xStarters: Das sehen wir ja auch so – jeder kann etwas verändern, egal wie groß oder klein der eigene Beitrag ist. Was ist denn deine Vision für B’n’Tree – wenn du dir etwas wünschen könntest, wo würde es hingehen in den nächsten paar Jahren?


Chris: Die große Vision dahinter ist tatsächlich, dass sich bis 2025 das Bäumepflanzen zu einer Alltagshandlung entwickelt hat und dass es nach und nach auf andere Industrien übergeht: "Ich schließe eine Versicherung ab, da kann ich auch Bäume pflanzen, das kostet mich ja nichts."

Mein Traum wäre, dass man vielleicht über die Jahre hinweg dazu kommt, dass man auch in Schnellrestaurants nicht mehr gefragt wird: “Möchten Sie noch Pommes zu Ihrem Burger?”, sondern: “Möchten Sie einen Baum pflanzen mit Ihrem Burger?”

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xStarters: Mit xStarters unterstützen wir ja besonders junge Menschen dabei, etwas zu bewegen. Glaubst du, dass Jugendliche einen besonderen Blick auf die Dinge haben?


Chris: Junge Menschen sind noch ein bisschen unbedarfter, die sind nicht 40 oder 50 Jahre alt und denken “Oh, das geht sowieso nicht, das hat noch nie funktioniert.“ Sondern mit 17 oder 18 sagt man: “Das will ich machen, das mache ich jetzt.” Einfach mal probieren. Kann sein, es funktioniert nicht. Es kann aber auch sein, es funktioniert und man rettet die Welt. Es gibt beide Extreme. Und das Schöne ist, wenn es nicht funktioniert, dann ist die Zeit trotzdem nicht vergeudet, sondern man hat was gelernt. Besonders, wenn man noch so jung ist. Man könnte theoretisch zwanzig Jahre lang nur failen, und ist dann gerade mal Mitte dreißig, Anfang vierzig und hat noch dreißig Jahre vor sich, um sich ein riesiges Business aufzubauen. Gar kein Problem!

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xStarters: Gerade läuft ja unsere aktuelle xStarters Challenge, in der es darum geht, Mobilität auch sozial zu nutzen. Also zum Beispiel ein fahrbares Klassenzimmer zu entwickeln, das in entlegene Regionen kommt oder in Dritte-Welt-Ländern eine mobile Ladestation fürs Handy anzubieten. Konkret suchen wir Ideen, wie man in einem Kleintransporter (VW Crafter) so einen Raum gestalten könnte, um ihn dann für einen guten Zweck einzusetzen. Würde dir denn spontan etwas dazu einfallen?


Chris: Hmm… Man könnte das als fahrende Lernwerkstätte nehmen. Also, dass Leute umherfahren, die anderen etwas beibringen, z.B. zum Thema Umweltschutz. Grade den Kids, denen man sagt: “Hey, ihr protestiert doch jeden Freitag bei Fridays for Future, am Samstag nehme ich euch mit aufs Feld und zeig euch, wie man Bäume pflanzt.“ Das wäre mein Ansatz. Aber ich bin halt auch so ein Baum-Typ, von daher… Da gibt es noch extrem viele andere Ansätze. Aber prinzipiell ist es eine echt coole Sache, wenn du alles, was du brauchst, immer mit dabei hast.

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xStarters: Ja, wir sind auch schon super gespannt auf die Ergebnisse! Das war tatsächlich schon meine Bonusfrage. Hast du denn sonst noch etwas, das du loswerden möchtest?


Chris: Viele fragen uns, wo wir die Bäume pflanzen. Wer mehr darüber wissen will, kann sich über unsere Website für unseren Newsletter anmelden, bzw. uns bei Facebook oder Instagram folgen. Außerdem suchen wir immer Leute, die Lust haben, unser Team zu unterstützen und die Welt zu verändern. Wer Interesse hat, meldet sich am besten per E-Mail.

xStarters: Danke dir für das Interview, lieber Chris!

Hast auch du so eine tolle Idee für die Zukunft?

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