14.03.2019

Wir treffen das Team „Entorganics“ beim Digital Accelerator

Leonie Matt

Interview der Gewinner der xStarters Challenge 2018

Nicht einmal fünf Wochen sind vergangen, seit Finn und Kai mit ihrer Idee die Jury und das Publikum bei der xStarters AwardParty in Wolfsburg begeisterten. Insekten als Lebensmittel zu etablieren und damit eine entovegane Ernährung zu fördern, das soll dazu führen, den CO2-Ausstoß zu verringern. Du fragst dich, wie das miteinander zusammenhängt? Im Interview klären Finn und Kai diese und weitere Fragen.

Ich habe die beiden in Berlin getroffen: Dort haben sie in dieser Woche eine bunte Tüte an Erlebnissen vor sich: Sie gehen in ein Product Lab und feilen gemeinsam mit Experten weiter an ihrer Idee. Außerdem schauen sie sich genauer in der Startup-Welt um und sprechen mit Experten. Sie finden heraus, wo sie ihre Produkte platzieren müssen und haben dafür mit diversen Marktleitern von Supermärkten Gespräche.

Last but not least lassen sie es sich natürlich auch nicht nehmen, weitere entovegane Produkte zu probieren. Schreib uns gerne bei Instagram in dem aktuellen Post.

xStarters Challenge 2018 - Team Entorganics
Team Entorganics - Gewinner der xStarters Challenge 2018


xStarters: Warum seid ihr diese Woche in Berlin?

Finn: Wir sind von Volkswagen eingeladen worden, unsere Idee weiter auszuarbeiten, nachdem wir die xStarters Challenge gewonnen haben. Erst stand kurz zur Debatte, ob wir den Accelerator dort machen, wo wir wohnen. Aber es macht auf jeden Fall Sinn, dies hier in Berlin zu tun. Hier lernen wir interessante Leute kennen und können uns von Projekten inspirieren lassen.
 

xStarters: Am Dienstag habt ihr mit dem Product Lab begonnen. Was genau ist da passiert?

Finn: Vor allem haben wir unser Konzept analysiert und überlegt, wie wir Kunden erreichen können und ansprechen wollen und was unser Produkt können soll. Nicht zuletzt ging es auch darum, was für einen Mehrwert wir bieten können und wie es die Zielgruppe beeinflusst.

In den nächsten Tagen treffen wir viele Leute und Startups und schauen uns an, wie andere Leute das machen. Außerdem haben wir die Hausaufgabe, den Wettbewerb zu analysieren – der liegt bei uns ja nicht nur in der Insektenbranche sondern vor allem auch außerhalb.
 

xStarters: Was war für euch bisher die spannendste Erkenntnis?

Kai: Wir haben zwei verschiedene Prozesse der Produktentwicklung kennengelernt. Die Methode, die häufig von großen Unternehmen verwendet wird, heißt Wasserfallmodel. Hier wird kontinuierlich an einer Idee gearbeitet. Das dauert sehr lange.

Wir haben dem gegenüber eine Methode kennengelernt, bei der man sich intensiv zusammensetzt und innerhalb von zwei Wochen einen Prototypen entwickelt, der dann kontinuierlich in zweiwöchentlichen Schritten weiterentwickelt werden kann. Dieses Modell nennt sich Scrum.
 

xStarters: Ist auch schon etwas witziges passiert?

Kai: Witzig war, dass mir beim Pitch am Anfang herausgerutscht ist, dass wir keine Konkurrenz haben. Was natürlich nicht stimmt (lacht).
 

xStarters: Was steht nach dem Digital Accelerator von xStarters bei euch an?

Kai: Für uns ist jetzt die Produktentwicklung sehr wichtig. Wir möchten schnellstmöglich einen ersten MVP haben, ein minimalfunktionsfähiges Produkt.

Finn: Außerdem haben wir uns vorgenommen, die nächsten Wochen in Sprints zu planen, damit wir uns im Anschluss ausschließlich auf das Machen konzentrieren können.

Kai und Finn, Team Entorganics

Schüler und Gewinner der xStarters Challenge 2018

Für uns ist jetzt die Produktentwicklung sehr wichtig. Wir möchten schnellstmöglich einen ersten MVP haben, ein minimalfunktionsfähiges Produkt. Außerdem haben wir uns vorgenommen, die nächsten Wochen in Sprints zu planen, damit wir uns im Anschluss ausschließlich auf das machen konzentrieren können.


xStarters: Wie teilt ihr euch eure Aufgaben untereinander auf?

Kai: Bei Präsentationen macht Finn die Texte und ich das Design. Die Produktentwicklung werden wir aber gemeinsam angehen.

xStarters: Was sagen eure Eltern dazu, dass ihr in den Küchen bei euch zu Hause mit Insekten rumhantiert?

Kai: Mein Vater freut sich, weil es dann immer etwas zum Probieren gibt.

Finn: Meine Eltern finden es meist nicht gut, weil die Küche danach dreckig ist. Aber insgesamt finden sie die Idee auch sehr gut. Momentan züchten wir auch einige Insekten bei Kai zu Hause.

Kai: Wir überlegen halt, die Insekten später selbst zu züchten, sodass wir die Qualität kontrollieren können.

xStarters: Was ist euer Lieblingsinsekt?

Finn: Das ist der Buffalowurm. Der ist etwas kleiner als ein Mehlwurm und den möchten wir auch für unsere Produkte verwenden. Den kann man gut zu Mehl verarbeiten.

Kai: Grillen zum Beispiel haben einen echten Eigengeschmack. Das haben die Würmer nicht.

 

Entorganics bei xStarters
Entorganics bei xStarters


xStarters: Ihr seid auf einer Reise durch Asien auf eure Idee gekommen. Was waren eure Gedanken?

Kai: Wir haben uns gefragt, wie der Unterschied in der Ökobilanz aussieht. Wir konnten die Zahlen zuerst nicht glauben: Bei der „Produktion“ von Insekten wird ein Hundertstel der Menge an CO2 verbraucht, die für die Produktion von Rindfleisch notwendig ist.

xStarters: Und glaubt ihr, dass eure Idee die Welt verändern kann?

Kai: Ich denke ja. Unsere Idee ist nicht, dass jeder nur noch Insekten isst. Aber wenn zum Beispiel ein größerer Teil der Menschen einmal pro Woche eine Fleisch-Mahlzeit durch Insekten ersetzt, würde das schon etwas ändern.

Finn: Das würde auch die Anbauregionen entlasten. Gerade aus Entwicklungsländern kommen häufig Rohstoffe, die wir verwenden. Wenn man Rind anbaut, braucht es eine riesige Fläche, um Futter für die Tiere anzubauen.

Schon gewusst?

Entomophagie...

...bezeichnet den Verzehr von Insekten.


xStarters: Was ist aus eurer Sicht die größte Herausforderung bei der Produktentwicklung und auf den Markt bezogen?

Finn: Ich glaube, eine riesige Hürde sind die Regularien, die der Handel an Produkte stellt. Ein Problem könnte auch sein, dass Menschen es nicht kaufen, weil sie den Mehrwert darin nicht sehen.

xStarters: Wie sieht es bei dem digitalen Aspekt eurer Idee aus?

Finn: Für uns ist der Vergleich zwischen konventionellem Essen und Insekten wichtig, denn das ist unser erstes Argument. Das möchten wir mit Hilfe von einem Rechner umsetzen.

Ein weiterer digitaler Aspekt ist unsere online Verkaufsplattform. Hier möchten wir eine Art Treuepunktesystem einführen. Die „Treuepunkte“ haben die Einheit globale Hektar oder optional CO2-Ersparnis. Man bekommt dann Punkte dafür, dass man Fleisch ersetzt und so das Klima schont.

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