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Vereinte Nationen hautnah erleben

Interview mit Sophie

Leonie Matt | 10.01.2019

 

xStarters: Hi Sophie! Erzähl uns doch einmal kurz, wie alt du bist, wo du wohnst und was du heute schon so gemacht hast?

Sophie: Ich bin 22 Jahre alt und wohne derzeit in Göttingen. Ich habe heute für mein Praktikum bei der Gesellschaft für bedrohte Völker (eine internationale Menschenrechtsorganisation) zu Menschenrechtsverletzungen im Jemen recherchiert.

xStarters: Wie bist du zu UN im Klassenzimmer gekommen?

Sophie: Ich habe mich schon lange für internationale Politik, besonders für die Vereinten Nationen interessiert. Über Facebook habe ich damals den Aufruf für eine Teamerschulung gesehen und mich angemeldet.

xStarters: Seit wann engagierst du dich politisch bzw. sozial?

Sophie: Für die DGVN engagiere ich mich jetzt seit fast 2 Jahren. Vorher habe ich mich für ein Flüchtlingsprojekt in meiner Heimatstadt und bei der UNICEF Hochschulgruppe in Kleve engagiert.

xStarters: Wie ist das Projekt entstanden und wann?
Sophie: UN im Klassenzimmer wurde vom DGVN Landesverband Mitteldeutschland (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) ins Leben gerufen. Ende 2015 wurde das Projekt auf Bundesebene ausgeweitet. 2016 fanden die ersten Teamer-Schulungen statt. Seitdem wird das Projekt stetig weiterentwickelt. Seit diesem Jahr sorgen Regionalkoordinatorinnen für eine bessere, regionalere Vernetzung unter den TeamerInnen. Wir freuen uns immer neue, engagierte Leute für das Projekt zu gewinnen ;)

Infobox

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DGVN steht für Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V.. Diese setzt sich gegenüber der deutschen Öffentlichkeit und der Politik für die Vereinten Nationen und die Vision von einer friedlichen und gerechten Welt ein.

 

 

xStarters: Wie läuft eine typische Schulstunde dann ab?

Sophie: Jede Schulstunde hat einen individuellen Ablauf. Meistens ist es so, dass wir zusammen mit den SchülerInnen einen Projekttag durchführen. Vormittags vermitteln wir dann Grundlagen zu der UN wie zum Beispiel die Ziele, Aufgaben und Aufbau der UN sowie die Komplexität internationaler Zusammenarbeit. Der Aufbau und die Länge dieses „Basismoduls“ hängt allerdings stark davon ab, ob und wie viel Vorwissen die SchülerInnen haben.
Im Anschluss simulieren wir dann in einem Mini-Planspiel den Sicherheitsrat zu aktuellen Themen wie zum Beispiel den bewaffneten Konflikt in Syrien, Kindersoldaten oder dem Konflikt zwischen Israel und Palästina. In diesem Modul schlüpfen die SchülerInnen in die Rolle eines Diplomaten oder einer Diplomatin und diskutieren über Lösungsansätze zu dem jeweiligen Thema. Die SchülerInnen haben so die Möglichkeit, selber zu erfahren, wie Debatten im Sicherheitsrat ablaufen und welche Herausforderungen internationale Verhandlungen mit sich bringen.

xStarters: Was sind die Aufgaben der SchülerInnen?

Sophie: So individuell wie die Schulstunden sind auch die Aufgaben der SchülerInnen. Meistens sollen sich die SchülerInnen schon vor dem Projekt auf ihre jeweilige Länderrolle vorbereiten.
Am Projekttag selbst läuft alles sehr interaktiv ab. Die SchülerInnen werden zur Mitarbeit angeregt. Dies beinhaltet auch die kritische Reflexion und Auseinandersetzung mit allen Themen rund um die UN.
Während der Simulation sollen die SchülerInnen versuchen, diplomatische Umgangsformen einzuhalten und lernen, Meinungen zu vertreten, die nicht unbedingt ihre eigenen sind.

 

Sophie Domres

Studentin der Internationalen Beziehungen und Teamerin bei "UN im Klassenzimmer"

"Ich glaube, dass man schon mit vielen kleinen Projekten die Welt verändern kann. UN im Klassenzimmer ist eines davon."

 

xStarters: Klingt spannend! Was sind die Herausforderungen dabei?

Sophie: Es gibt sowohl Herausforderungen für mich als Teamerin, als auch für die SchülerInnen.
Als Teamerin ist es immer wieder eine Herausforderung, vor großen Gruppen zu präsentieren und während meines Vortrags alle SchülerInnen abzuholen.
Auch das Zeitmanagement kann sehr herausfordernd sein. Manchmal hat man für die Simulation eines sehr komplexen Konflikts nur begrenzte Zeit.
Dies fordert auch die SchülerInnen, da sie in kurzer Zeit eine große Menge Wissen aufnehmen, reflektieren und anwenden müssen. Auch die diplomatischen Umgangsformen sind für die SchülerInnen oft ungewohnt. So dürfen sich die SchülerInnen während der Debatte nicht direkt ansprechen und müssen vor einem Redebeitrag warten, bis ihnen das Wort vom Vorsitz erteilt wird.
Die größte Herausforderung für die SchülerInnen ist es wahrscheinlich, glaubwürdig die Meinung des ihnen zugeteilten Landes zu vertreten. So kann es vorkommen, dass man als Delegierte/r ein autoritäres System vertreten oder sogar Menschenrechtsverletzungen verteidigen muss.

xStarters: Gibt es etwas, dass dich immer besonders freut?

Sophie: Manchmal erwische ich mich selbst bei Vorurteilen über die Neugier und Wissbegierigkeit von SchülerInnen. In 99 Prozent der Fälle ist aber das Gegenteil der Fall und ich komme in eine Klasse mit unglaublich motivierten und engagierten SchülerInnen. Mit den SchülerInnen zu diskutieren macht mir großen Spaß und zeigt mir jedes Mal neue Perspektiven auf Themen internationaler Politik. Ich hoffe, dass ich den SchülerInnen genauso viel mitgeben kann, wie sie mir.

xStarters: Ein Leser oder eine Leserin schaut sich unser Interview an: Wie kann UN im Klassenzimmer auch zu ihm an die Schule kommen?
Sophie: Das ist ganz einfach. Er oder sie muss einfach nur seiner Lehrkraft von unserem Projekt erzählen, diese oder dieser kann sich dann über www.UN-Klassenzimmer.de anmelden.

 

SophieBlog

 

xStarters: Warum ist UN im Klassenzimmer für dich persönlich so ein tolles Projekt?

Sophie: Ich glaube, dass man schon mit vielen kleinen Projekten die Welt verändern kann. UN im Klassenzimmer ist eines davon. Indem wir SchülerInnen die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit in einem globalen Forum wie der UN näher bringen, vermitteln wir ihnen Zusammenhänge des politischen Geschehens, Toleranz und Völkerverständigung. Im besten Falle trägt das Projekt dazu bei, dass die SchülerInnen selber im Anschluss gesellschaftlich und politisch aktiv werden. Im schlechtesten Fall kennen die SchülerInnen im Anschluss wenigstens die UN :)

xStarters: Sollten sich dann nicht noch mehr Jugendliche mit dem Thema beschäftigen?

Sophie: Definitiv. Die großen Herausforderungen der internationalen Gemeinschaft, also zum Beispiel bewaffnete Konflikte, Hunger oder Menschenrechtsverletzungen, lassen sich nicht ad hoc lösen. Hier braucht es langfristige und nachhaltige Lösungsansätze, die möglichst viele Akteure aus Staat und Gesellschaft mit einbeziehen. Die UN ist die einzige internationale Organisation in der so gut wie alle Staaten vertreten sind. Alle Staaten haben sich zur Einhaltung der Prinzipien in der UN Charta verpflichtet. Sie hat somit einen einzigartigen Stellenwert in der internationalen Politik. Je mehr Menschen die UN kennen und sich mit ihr auseinandersetzten, desto mehr Menschen können sich auch aktiv für die Belange und Nöte der Menschheit einsetzen.

xStarters: Wenn du einen Wunsch auf der Welt frei hättest, was wäre das?

Sophie: Auch 70 Jahre nach der Verabschiedung der Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR) gibt es noch immer viele Menschen auf der Welt, die nicht in Freiheit und Würde leben können. Deshalb wünsche ich mir eine inklusive Weltgemeinschaft, in der die Menschenrechte eines jeden einzelnen geachtet und geschützt werden unabhängig von Geschlecht, Herkunft , Religion oder anderen Faktoren. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es viele mutige und engagierte Menschen, die ihre Stimme für die Durchsetzung der Menschenrechte erheben. Projekte wie UN im Klassenzimmer tragen zu diesem Ziel bei, indem sie junge Menschen zum Nachdenken über die Missstände auf der Welt anregen. Denn erst durch Bildung werden Menschen ermächtigt, ihre Stimme zu erheben und ihre ihnen angeborenen Rechte einzufordern.

xStarters: Was möchtest du nach deinem Studium machen?

Sophie: Erstmal rette ich die Welt, und dann sehen wir weiter ;)