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Interview

Interview mit Markus Sauerhammer vom Social Entrepreneurship Netzwerk

Unbenannt
Leonie Matt | 14.09.2018

 

Markus ist Mitgründer des Social Entrepreneurship Netzwerkes und möchte andere dazu ermutigen, den gesellschaftlichen Wandel durch soziale Startups mitzugestalten. Dass Markus ursprünglich einmal eine ganz andere Ausbildung gemacht hat und wie sich eigentlich soziale Startups auch ohne Spenden von Sponsoren nachhaltig halten können, das und viel mehr erfahrt ihr im heutigen Interview!

 

 

xStarters: Hi Markus! Erzähl uns doch zuerst einmal ein bisschen was über dich!


Markus: Okay! Da wir uns gerade an einer Schule befinden, fange ich am besten direkt damit an. Ursprünglich habe ich einen Hauptschulabschluss gemacht und im Anschluss Landwirt gelernt, weil mein Vater einen Bauernhof hat. Später habe ich dann das Abitur nachgeholt und studiert. Während dem Studium habe ich selbst mein erstes Unternehmen gegründet und bin somit in die Gründerszene reingerutscht. Dann habe ich klassische Startups beraten. Im Rahmen von einem Aufbaustudium war ich unter anderem im Silicon Valley und dort konnte ich sehen, was technologisch gesehen schon alles möglich ist und was unweigerlich auf uns zukommen wird.

Mich hat das sehr zum Nachdenken angeregt, da wir die Möglichkeiten, die sich bieten nicht dazu nutzen, um unsere gesellschaftlichen Herausforderungen zu lösen. Wir nutzen Technologie und Fortschritt in erster Linie, um Wirtschaft zu gestalten, aber nicht um die gesellschaftlichen Herausforderungen anzugehen.

Analog zur Startup Szene hat sich die Social Entrepreneurship Szene in der ganzen Welt entwickelt, die dich gleichen Instrumente und Tools nutzen wie Startups, aber eben um gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen und ich beschloss, dass ich hieran mitwirken möchte.

xStarters: Was sind für dich persönlich die wesentlichen Herausforderungen, mit denen sich unsere Gesellschaft (in Zukunft) konfrontiert sieht?

Markus: Es ist eine Vielzahl von Herausforderungen – davon eine einzige zu priorisieren, ist schwierig, weil wir sie aufeinander aufbauend bzw. miteinander lösen müssen.

Schau dir an: wir sehen uns global mit dem Thema Klimawandel und einer globale Migrationskrise konfrontiert. Hier stößt man an die Grundsatzfrage: Wie verteilen wir Einkommen und Wertschöpfung. Die Frage ist auch, welche Lebensbedingung hat jemand in welchem Land.

Innerhalb Deutschlands hingegen sind Themen wie demografischer Wandel, Einkommensungleichheit oder aber die Digitalisierung ein Thema.

Das alles sind meiner Meinung nach Punkte, die aufeinander einzahlen. Wenn wir die sozialen Herausforderungen für Menschen hierzulande nicht lösen, dann werden wir unsere Mitmenschen auch nicht für globale Themen wie den Klimawandel begeistern können.

Aktuell ist es so, dass die Politik zum größten Teil versucht, die Probleme mit den Instrumenten aus dem letzten Jahrhundert zu lösen und deswegen ist es wichtig, dass es Programme wie xStarters gibt: Programme, in denen junge Leute, die ein anderes Verständnis von Digitalisierung und modernen Instrumenten haben, früh anfangen, sich darüber Gedanken zu machen, wie damit soziale Herausforderungen angegangen werden können.

 

 

xStarters: Wie kann ich als Jugendlicher anfangen, an sozialen Problemen zu arbeiten?

Markus: Neben xStarters gibt es tatsächlich noch weitere Programme, die als Anlaufstelle für soziale Ideen junger Menschen dienen. In vielen Städten gibt es bereits Social Impact Labs, also Zentren, wo soziale Akteure zusammenkommen und an Lösungen arbeiten und diese sind alle sehr offen für junge Leute.

xStarters: Warum freuen sie sich gerade über junge Menschen, wenn es um die Gestaltung von neuen Ideen geht? Gibt es hier gerade für junge Menschen eine besondere Rolle, weil sie die Dinge vielleicht anders sehen?

Markus: Mit der Geburtsstunde der Digitalisierung entstand ein schönes Sprichwort, das lautet ungefähr so: „Die Welt, die wir sehen, wenn wir geboren werden, das ist die „normale“ Welt für uns. Die Veränderungen bis wir dreißig werden nehmen wir als positiv wahr und begreifen sie als Chancen. All das, was nach unserem 30. Lebensjahr passiert, ist für uns der Niedergang der Zivilisation und der Untergang unserer Gesellschaft.“ Das ist natürlich krass formuliert aber es schlummert eben viel Potenzial in jungen Menschen, weil sie nicht mit großen Schranken an Situationen herangehen und nicht etwa sagen „Das war ja schon immer so“, sondern sie hinterfragen Bestehendes auch.
Wir befinden uns gerade in einem Epochenwandel. Wir sollten uns daher fragen: Wie gestalten wir diesen so, dass er für die zukünftigen Generationen lebenswert ist, denen weiterhin Spaß macht und sie ihre Freiheiten beibehalten können? Hierbei ist natürlich sehr erheblich, dass die Leute sich selbst einbringen, die davon betroffen sind.

xStarters: Kannst du ein wenig zum Social Entrepreneurship Netzwerk sagen?
Markus: Viele im Bereich Social Business haben sich über die Politik beschwert und darüber, dass diese zu wenig machen und unterstützen würde. Daher dachten wir, es wäre sinnvoll, sich zusammenzuschließen und gemeinsam zu erarbeiten, wie die Politik Dinge besser machen kann, sodass sie möglichst vielen von uns helfen und nicht nur einem Akteur alleine. Das war unser Gründungsimpuls.
Mittlerweile sind wir auf ein Netzwerk von über 250 Mitgliedern angewachsen und die Aufgabe ist natürlich nicht nur, mit der Politik zu sprechen sondern in erster Linie die Leute aus dem Social Entrepreneurship Netzwerk zu stärken. Wir haben Fachgruppen zu einzelnen Themenbereichen wie zum Beispiel Finanzierung oder der Frage des Wirkungsmanagements. Aber auch zu inhaltlichen Themen, wie zum Beispiel Integrationsfirmen, machen wir Veranstaltungen.
Es entwickeln sich sowohl inhaltliche Netzwerke zu bestimmten Themen als auch regionale Verbindungen, wo sich die Leute vor Ort zusammenschließen, um dann gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Man kommt bei den Treffen zusammen, tauscht sich über die Probleme, teilt Erfahrungen miteinander und hilft sich dadurch.

xStarters: Was war für dich das Coolste, das du mit dem Netzwerk erlebt hast?

Markus: Eigentlich ist das der komplette Prozess. Wenn du auf einmal siehst, dass sich Leute zusammenschließen, die ein ähnliches Ziel verfolgen, kann viel erreicht werden. Wir haben in der kurzen Zeit schon sehr viel geschafft: zum Beispiel, dass das Berliner Land seine Finanzierungs- und Förderprogramme für Social Entrepreneurs öffnet. Die Politik auf Bundesebene hat im Koalitionsvertrag beschlossen, Social Entrepreneure stärker zu unterstützen und hat auch noch einmal hervorgehoben, dass Social Businesses einen großen Beitrag zur Lösung der gesellschaftlichen Herausforderungen liefern.

 

xStarters: Was ist für dich Social Entrepreneurship?

Markus: Von 28 Ländern in der EU haben 20 Länder eine offizielle Definition für Social Entrepreneurship festgelegt. Deutschland zählt übrigens nicht dazu. Für mich ist es die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen mit unternehmerischen Instrumenten angehen, also mit Innovationen und selbsttragenden Geschäftsmodellen, sodass man nicht permanent auf Spenden oder Sponsoren angewiesen ist.
Die Lösung sollte zudem nachhaltig wirken und idealerweise das nutzen, was den aktuellen Veränderungsprozess antreibt, also auch digitale Mittel. Nur so werden auch wirklich gute Lösungen auf die Straße gebracht.

xStarters: Was sind denn Möglichkeiten, um eine nachhaltige und unabhängige Lösung zu erreichen?

Markus: Vorgestern erst habe ich mich mit dem Gründer von Share getroffen, die ursprünglich mit der App ShareTheMeal gestartet haben. Diese App ist auf Spenden angewiesen und wurde nun um eine Produktpalette erweitert. Es werden Lebensmittel von Share im Supermarkt angeboten. Mit jedem verkauften Produkt spendet das Unternehmen Gelder an Hilfsorganisationen. So sorgt der Käufer automatisch dafür, dass jemand, der in einem Land mit beispielsweise Trinkwasserknappheit für einen Tag eine Wasserration erhält. Das ist ein super Modell, was sich dank eigener Produkte selbst finanzieren kann und zudem wirklich etwas bringt.
Was gerade bei jungen Menschen sehr gut ankommt, sind Einhorn Kondome. Hierbei handelt es sich um ein gutes Beispiel, bei dem mit einem klassischen Geschäftsmodell dafür gesorgt wird, dass über einen Großteil der erwirtschafteten Umsätze auch gesellschaftliche und soziale Verantwortung übernommen wird.

 

Infobox: Social Businesses, die sich nachhaltig selbst finanzieren

 

Einhorn Kondome verwendet 50 Prozent der Gewinne dafür, sie in soziale und nachhaltige Projekte zu reinvestieren. Damit zeigen sie, dass ein Unternehmen, welches auf „Fairstainability“ Wert legt, profitabel sein und ebenfalls einen Mehrwert für Umwelt und Gesellschaft leisten kann.

 

Die Stadt Ingolstadt mit einer Einwohnerzahl von über 460.000 in der Region nutzt die App Mobile Retter. Hier sind 402 aktive Mobile Retter angemeldet. Zwischen November 2016 und April 2018 wurden 840 absolvierte Einsätze verzeichnet.

 

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