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Interview

Fabian Bräunlein, White-Hat-Hacker und Jury-Mitglied bei xStarters

Jurymitglied Fabian Bräunlein während eines Vortrags
Leonie Matt | 08.10.2018

xStarters: Erzähl doch erst einmal ein bisschen was über dich, Fabi!

Fabian: Ursprünglich komme ich aus Franken, bin jedoch nach dem Abitur für das Studium nach Potsdam gezogen. Ich habe IT Systems Engineering studiert. Mich hat das Feld der Computer schon immer interessiert – vielleicht auch deswegen, weil mein Vater Elektriker ist und mein älterer Bruder in eine ähnliche Richtung gegangen ist.

xStarters: Gab es konkrete Momente, die dich dabei geprägt haben, was du machen möchtest?

Fabian: Definitiv als ich mit 16 Jahren zum ersten Mal beim Chaos-Communication-Congress war, dem Treffen des größten Hackervereins Deutschlands. Damals haben sich 5.000 Leute in Berlin getroffen. Ich war dort einer der Jüngsten und ziemlich beeindruckt von all dem, was dort aufgebaut war und blinkte – es ist ein bisschen so wie das Tomorrowland - aber halt für Hacker (lacht). Dort war ich auch bei einem Talk meiner jetzigen Firma, Security Research Labs, und dachte mir schon, dass ich hier in Zukunft arbeiten möchte. Nach meinem Bachelor 2015 bin ich in Vollzeit eingestiegen.

xStarters: Du bist Sicherheitsforscher, manche nennen dich auch White-Hat-Hacker. Was verbirgt sich hinter diesem Job?

Fabian: Wir sind in der Firma am Standort in Berlin 20 Leute, haben aber zum Beispiel auch noch ein Büro in Hong Kong. Wir machen im Prinzip zwei Dinge: zum einen Forschung und zum anderen Kundenprojekte. Letztere können sehr unterschiedlich aussehen: Es kann eine Angriffssituation beauftragt werden, bei der wir das Ziel haben, die Firma des Kunden zu hacken. Ein weiterer Auftrag könnte sein, ein Produkt des Kunden zu untersuchen - zuletzt haben wir uns mit einer Alarmanlage und ihren Schwachstellen in der Systemkommunikation befasst. Außerdem machen wir sogenannte Security-Maturity-Assessments; dabei suchen wir uns in der Firma des Kunden Interviewpartner und machen zusätzlich technische Tests, wo wir zum Beispiel nach Sicherheitslücken scannen. Am Ende können wir eine Aussage über die Ausprägung der IT Sicherheit der Firma treffen und geben natürlich Empfehlungen, wie sich die Firma verbessern kann. Im zweiten Tätigkeitsfeld Forschungsprojekte haben wir zum Beispiel in der Vergangenheit Flugbuchungssysteme gehackt. Konkret haben wir damals einen Bundestagsabgeordneten anhand seiner Daten „verfolgt“, konnten also genau sehen, wohin er unterwegs ist.

xStarters: Ein weiteres Forschungsthema hast du unter anderem auf einer Bühne live gezeigt: Wie
einfach eigentlich die EC-Karten Geräte von Banken „hackbar“ sind.

Fabian: Genau, das haben wir 2015 vorgestellt. Projekte wie diese sind spannend, da sie natürlich primär die beteiligten Unternehmen auf ihre Sicherheitslücken aufmerksam machen aber gleichzeitig auch eine hohe gesellschaftliche Relevanz haben, denn: Wir alle nutzen EC-Karten Geräte.

xStarters: Wann hast du angefangen, dich für die Themen IT und Hacking zu interessieren?

Fabian: Ich habe mich tatsächlich schon relativ früh, während der Schulzeit, im Programmieren geübt und dann auch meine Leidenschaft für IT Security gefunden. Eine der ersten witzigen Sachen war die Übernahme unseres Schulnetzwerkes während des Informatikunterrichts (lacht). Das hat mit einer Standpauke unseres Lehrers geendet, der sofort wusste, wer die Übeltäter waren.

xStarters: Wie stehst du zu der Vermittlung von digitalen Themen im Jugendalter? Hättest du dir gewünscht, schon während der Schulzeit mehr Angebote gehabt zu haben?

Fabian: In der 11. und 12. Klasse konnte ich leider Informatik als Fach nicht mehr belegen, weil es einfach zu wenig Interessierte gab. Das meiste, was ich zu der Zeit gelernt habe, habe ich mir daher selbst beigebracht. Ich finde es wichtig, einen Anstoß zu erhalten, also die Möglichkeiten gezeigt zu bekommen und einen ersten Eindruck zu gewinnen.
Ich leite bei den Pfadfindern eine Gruppe. Letztens habe ich dort einen Einblick über die Forschungsarbeit zum Flughacking gegeben, damit die Jugendlichen sich mehr unter dem Beruf vorstellen können. Es wäre cool, wenn es mehr Angebote der Orientierung gäbe und deswegen finde ich wichtig, was xStarters macht!

Moana und Leonie besuchten Fabian bei der Arbeit - Das Office liegt mitten in Berlin, hat einen "balcony with a view" und für jeden Besucher gibt es Hausschuhe - Wohlühlfaktor 100!

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xStarters: Nun bist du auch Jury-Mitglied bei xStarters. Teilnehmer werden dich auf unserer Award Night im Februar 2019 persönlich kennenlernen. Worauf freust du dich am meisten?


Fabian: Ich freue mich auf jeden Fall darauf, mit super vielen verrückten und außergewöhnlichen Ideen konfrontiert zu werden. Ich kann mir vorstellen, dass Jugendliche einfach ein bisschen anders denken. Natürlich freue ich mich auf die Pitches und dort auf hoffentlich viele motivierte Teams, die stolz darauf sind, was sie in den Wochen zuvor erarbeitet haben.


xStarters: Was sind für dich soziale digitale Innovationen?


Fabian: Schauen wir uns zum Beispiel Airbnb an. Mit Hilfe von Software werden da mehrere Probleme gleichzeitig angegangen und Menschen, die eine Unterkunft brauchen mit jenen, die teilweise darauf angewiesen sind, ihre Wohnung zu teilen, zusammen gebracht. Damals gab es sicherlich auch Sorgen, zum Beispiel ob Leute überhaupt dazu bereit sind, ihre Wohnung an fremde Personen zu vermieten. Es dennoch auszuprobieren und mit den Nutzern zu sprechen, das ist für mich Teil der Innovation.
Bei der Beurteilung, ob die Innovation dann wirklich sozial ist, hilft eine Hacker-Sichtweise: Sich zu überlegen, ob die Idee irgendwelche "Lücken" hat und sich in Randfällen seltsam verhalten und negative Auswirkungen auf die Gesellschaft haben könnte. Im Fall von AirBnb ist das beispielsweise der Gedanke, dass es bei stetigem Wachstum und steigender Professionalisierung zu einer Verschärfung der Wohnungsknappheit in Städten kommen könnte.


xStarters: Was würdest du jemandem raten, der Interesse an IT hat?


Fabian: Jemandem, der Interesse am Themenfeld der IT Security hat, dem würde ich dazu raten, auf einem Congress vorbeizuschauen – dort gibt es viel Input in kürzester Zeit.
Einem jungen Menschen, der Interesse an IT hat, würde ich sagen: Versuche auf jeden Fall, das Interesse zu behalten! Ich denke, es handelt sich um ein spannendes Gebiet, in dem man jetzt und auch in Zukunft sehr gut arbeiten kann, weil es immer neue Challenges gibt. Und ich finde es auch spannend, wie viel in der IT schon eine einzelne Person bewirken kann – ohne ein großes Team kann innerhalb weniger Tage in der IT zum Beispiel ein hilfreiches Tool entstehen. Es ist ein spannendes Thema und wer Interesse daran hat, ist auf jeden Fall ein bisschen gesegnet (lacht).

Fabian Bräunlein

White-Hat-Hacker und Jury-Mitglied der xStarters Challenge 2018

Ich finde es spannend, wie viel in der IT eine einzelne Person bewirken kann – ohne ein großes Team kann innerhalb weniger Tage zum Beispiel ein hilfreiches Tool entstehen.

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